Freitag, Dezember 03, 2004

Atheismus i.d. Inidia-Diskussion

martin - An Richards Posting wird wieder einmal deutlich, wie wenig der Atheismus zum Verständnis von Religiosität und zum Dialog zwischen den Religionen beitragen kann, weil er trotz aller Bemühungen und Detailkenntnisse auf einer prinzipiellen wissenschaftlichen Widerlegbarkeit von Religiosität an sich beharrt.

Weil der Atheismus an den Religionen immer nur die Irrealität der Glaubensinhalte wahrnehmen kann, verfehlt er die Realität, die die Religionen selbst auf diesem Planeten bilden, bzw. sucht er das Heil in der tabula rasa des vom Transzendenzglauben befreiten Bewusstseins.

Was an Richards Posting besonders auffällt ist ein heilloses Durcheinander der Beobachterpositionen, d.h. eine völlig verworrene Unklarheit darüber, wer innerhalb / außerhalb eines Glaubenssystems dessen Inhalte aus moralischen / wissenschaftlichen oder fundamentalistischen Gründen ablehnt bzw. ablehnen kann oder muss. Hier besteht offenbar erheblicher Klärungsbedarf. Innerhalb dieses Durcheinanders ist Richards Position selbst zutiefst widersprüchlich, weil er einerseits oft genug gegen das, was er kurzerhand als 'abrahamitische Religion' zusammenfasst, mit moralisch fundierten Argumenten zu Felde gezogen ist, andererseits aber in obigem Posting andere als wissenschaftliche Argumente für unangemessen hält. Trotz der vollmundigen Argumentation im Namen von Rationalismus und Aufklärung ist das zumindest ein Indiz dafür, wie wenig durchdacht Richards Polemiken im Grunde sind, wenn die Bezugshorizonte beliebig gesamplet werden können, solange es nur irgendwie gegen die Religion geht.
Trotzdem ergeben sich m.E. auch Anknüpfungspunkte aus Richards Wirrwarr, z.B. die Frage, von welcher Position aus Religion überhaupt einer Bewertung unterzogen werden kann, bzw. in der Realität unterzogen wird. Hier überwiegen mittlerweile völlig subjektive, gefühlsmäßige Kriterien, z.B. ein verbreitetes xenophobes Unbehagen am Islam, dessen Opfer Richard selbst geworden zu sein scheint. Religion ist zum multiplen Phänomen geworden: Postmodernes Lifestyle-Produkt, das man sich gemäß den eigenen Wünschen zusammenbasteln kann, Mentales Rückzugsgebiet gegenüber einer überhand nehmenden technizisitischen Kultur, Instanz der Identitätsbildung gegenüber kulturellen Entfremdungs- und Entwurzelungsprozessen etc.pp.

Der Atheismus, der hier im Forum ja nicht nur von Richard vertreten wird, scheint mir mit seinen herablassenden Rübezahl-Allegorien gegenüber der realen Komplexität der Religion im psychologischen, politischen, kulturellen Bezugsfeld immer ein wenig einfältig zu sein. Dass religiöse Mentalitäten noch nicht einmal mit Transzendenzglaube verbunden sein muss, mag ein Indiz dieser Komplexität sein: Ein Schulkamerad von mir entschied sich für das Studium der protestantischen Theologie nicht aus Glaubensgründen, sondern im Rahmen eines Lebensentwurfes, der, fasziniert von der Sittenstrenge und der luziden ratio einer religiösen Praxis der Lektüre, an Zeiten anknüpfen wollte, in denen ein protestantisches Bürgertum mit seiner deutschnationalen Mentalität noch Träger der Staatsraison war.
Studium der Theologie, der "einzigen Disziplin, die die Philosophie im Nebenfach hat" als Gegenentwurf zum gesellschaftlichen laissez-faire - auch das ist ein, wenn auch exotisches, Nachglühen der Religionen.

14 Kommentare:

redaktion hat gesagt…

Nabend Martin,

keineswegs jeder Atheist beharrt auf die "Widerlegbarkeit" der Religion.

Zum Atheistsein genügt längst die Ansicht, dass die Religion nicht "belegt" sei.

LG von Sven

Stelios Frang hat gesagt…

Zum ungläubig sein genügt längst die Ansicht, dass keine Religion anbietet, was eine fundierte Bildung bewirkt.

Anonym hat gesagt…

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Haben wir einen freien Willen, oder ist alles, was geschieht, vorherbestimmt? Die Frage ist alt und scheinbar beantwortet worden von vermeintlichen Geistesriesen wie Albert Einstein.
Wenn ich glaube, daß ich einen freien Willen habe, bin ich Meister meines Geschicks. Das Malheur ist: die meisten Menschen müßten sich eingestehen, daß sie Versager sind. Daß wir von Versagern regiert werden und Versager die Wahlurnen bedienen. Das Große und Schöne findet seit Generationen nämlich nur auf dem Papier statt.

Wenn alles vorherbestimmt ist, stellt sich die Frage, was es für einen Sinn macht, sich anzustrengen?
Der Fatalismus leidet scheinbar an allgemeiner Absurdität. Ich kann mich aus der Verantwortung ziehen, muß weder Moral noch Ethik beachten und entschuldige mein Treiben oder Gammeln mit dem Zwang des Schicksals.
Die Gegner des Fatalismus behaupten, sie hätten den Fatalismus durchschaut, erkennen die fatale Paradoxie: Um sich dem Fatalismus zu verschreiben, müsse man eine nicht fatalistische Entscheidung treffen – sich in einem Akt freier Wahl zur Ansicht entscheiden, daß alles, was geschieht, vorausbestimmt ist und es daher keine freie Wahl gibt.

Der Fatalist sieht das natürlich anders. Denn, wenn alles vorausbestimmt ist, ist auch „die Entscheidung zur freien Wahl“ vorausbestimmt.Kein Blatt fällt vom Baum, kein Gedanke schießt in den Kopf ohne die Kraft der Bestimmung. Die Erkenntnis der Bestimmung ist auch bestimmt und führt eben nicht dazu, daß unser Wille erlahmt wie ein alter Bogen. Des Rätsels Lösung: der freie Wille ist eine Illusion. Wir leben, wie wir leben müssen und tun, was getan werden muß. Auch wenn die Welt dabei zugrunde geht.

Die Welt ist komplexer als Einstein uns glauben machen will. Die Raumzeit ein Gauklertrick. Denn würde die Zeit langsamer vergehen in einer Erdhöhle und schneller auf dem Watzmann, wären alle Bergbewohner Millionäre. Sie könnten die Lottoziehung schauen, mit den Zahlen ins Tal wandern, tippen, und sich sodann den Jackpot abholen. – Das ist paradox!
In der Tat würde das Weltall zersplittern wie ein Sektglas. Weil alle Atome sich voreinander verkapselten.

Isaak Newton hat Recht: die Zeit ist absolut. Der Fatalist schaut die Welt in Ruhe und bleibt dem Schicksal überlegen, der Wissenschaftler Opfer, krebst im Tümpel der Erinnerung.

Das Problem der Willensfreiheit läßt sich lösen, wenn die zweiteilung des WIllens ins Kalkül gezogen wird: in die Zukunft ist er bestimmt, in der Erinnerung kann er schwelgen.

Anm. Die kritischen Gedanken zum Fatalismus sind dem Konstruktivismus entlehnt.